Das Jahr 2023

Abschied von Gasheizungen, verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit, Investitionen in nachbarschaftliche Kontakte und ein neuer Vergabeprozesses für SAW Wohnungen. Dies und anderes prägte das Geschäftsjahr der Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW). Im Ausblick erfahren Sie, was für 2024 geplant ist.

Rückblick

Was hat die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW) im Jahr 2023 geleistet? Erleben Sie das vergangene Jahr im Rückblick der Direktion, der Bereiche Finanzen & Vermietung, Bau & Entwicklung, Infrastruktur & Unterhalt und Spitex & Sozialdienst sowie aus Sicht von Soziokultur und Angebotsentwicklung.

Ein wichtiges Entwicklungsjahr

2023 ist die SAW weiter in den Fokus sowohl der politischen als auch der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Dies zeigt sich unter anderem im Zustandekommen der beiden Volksinitiativen «Mehr Alterswohnungen für Zürich (Plus 2000)» und «Bezahlbare Wohnungen für Zürich», wobei auch letztere die Erhöhung des Bestands der SAW um mindestens 2’000 Alterswohnungen verlangt.

 

Für die SAW bedeutet dies einerseits «Rückenwind» und Stärkung ihrer Anliegen und Ziele, andererseits jedoch auch ein konstant hochbleibender Wachstumsdruck, den es organisatorisch und finanziell zu meistern gilt. Auf organisatorischer Ebene erreichte die SAW mit dem neuen Organisationsreglement sowie dem überarbeiteten Vermietungsreglement, 2023 beides vom Stiftungsrat verabschiedet und vom Stadtrat genehmigt, zwei erste wichtige Ziele.

Andrea Martin-Fischer
Direktorin SAW

Zentrale Akteurin der städtischen Altersstrategie

Die SAW hat das vergangene Jahr zudem genutzt, sich verstärkt als Expertin im Bereich Alterswohnen zu etablieren. Einerseits mit der Durchführung einer Befragung zu neuen Wohnformen im Alter mit vertiefenden Workshops, anderseits als zentrale Akteurin bei der Umsetzung der Altersstrategie 2035 der Stadt Zürich. In deren Rahmen hat sie beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Gesundheitszentren für das Alter weiter gefestigt, eine Kooperation mit Gehörlosenorganisationen aufgegleist sowie eine «Digitale Alterswohnung» eingerichtet, die sich grossem Interesse erfreut und rege besucht wird.

Das Sommerfest des Gesundheitszentrums für das Alter Wolfswinkel, 2023 erstmals gemeinsam mit der SAW Siedlung Unteraffoltern durchgeführt, ist ein gelungenes Beispiel für die vermehrte Zusammenarbeit der beiden Organisationen.

Reduktion der CO2-Emmissionen und weitere Meilensteine

Nebst den erreichten Meilensteinen in den verschieden Bauprojekten, darf die SAW  auf weitere bedeutende Ereignisse im Geschäftsjahr 2023 zurückblicken: Schritte zur Reduktion der CO2-Emmissionen in den Siedlungen, die Bekanntgabe des neuen Vergabeprozesses für SAW Wohnungen, welcher 2024 in Kraft tritt, die Unterzeichnung eines Mietvertrages mit einem privaten Wohnungsanbieter sowie die Quartierinformation zum Baustart des Projektes «Espenhof – Wir leben Vielfalt!», gemeinsam durchgeführt mit den Projektpartner*innen queerAltern und Gesundheitszentren für das Alter.

Die Quartierinformation zum Baustart des Projekts «Espenhof – Wir leben Vielfalt!» war mit rund 50 Besucher*innen ein grosser Erfolg.
Rückblick Bau & Entwicklung

Bauprojekte in allen Phasen …

Auch im Jahr 2023 hat die SAW viele Projektentwicklungen vorangetrieben. Daneben hat sie neue Chancen geprüft und Grundlagen für künftige Kooperationen gelegt. Dass die SAW wichtige Meilensteine erreicht hat, belohnt ihre herausfordernde und intensive Arbeit an den verschiedenen Bauprojekten:

 

Mit der weitgehenden Fertigstellung des Rohbaus hat die Siedlung Letzi eine wichtige Etappe erreicht. Die Siedlung entsteht in Kooperation mit Liegenschaften Stadt Zürich (LSZ) und der Stiftung Familienwohnungen der Stadt Zürich (SFW). Die SAW Wohnungen, untergebracht im Hochhaus, sind jetzt schon von weither sichtbar. Im Espenhof Nord ist der Rückbau der Gründungssiedlung der SAW erfolgt. Damit beginnt die Erstellung von spürbar mehr Wohnungen der SAW in Zürich West. Neu wird die Siedlung 138, statt wie bisher 84 Alterswohnungen umfassen. Unter dem Motto «Espenhof – Wir leben Vielfalt!» arbeitet die SAW in diesem Projekt mit dem Verein queerAltern und den Gesundheitszentren für das Alter zusammen: Neben zusätzlichen Alterswohnungen entstehen im Espenhof Nord drei Pflegewohngruppen der Gesundheitszentren für das Alter und in einem der drei Wohnhäuser werden Senior*innen, die sich als queer bezeichnen, wohnhaft sein.

Auf dem Areal Espenhof Nord, aktuell eine Baugrube, entsteht das innovative Kooperationsprojekt «Espenhof – Wir leben Vielfalt!» der SAW, des Vereins queerAltern und den Gesundheitszentren für das Alter.
Mit «Espenhof – Wir leben Vielfalt!» entsteht auf dem Areal der SAW Gründersiedlung ein einmaliges Pilot- und Kooperationsprojekt.

... und auf gutem Wege

Mit dem Vorliegen rechtskräftiger Bauentscheide für die Ersatzneubauten der Siedlungen Werdhölzli und Espenhof West im Jahr 2023 sind die Vorbereitungen für den Baustart auf einem guten Stand. Für die denkmalgeschützte Siedlung Hardau legte die SAW 2023 mit Baugesuch und ersten Ausschreibungen die Grundlagen für die Gesamtinstandsetzungen ab 2024. Für den Ersatzneubau der Siedlung Felsenrain wurde, zusammen mit den Kooperationspartnerinnen Stiftung Familienwohnungen (SFW) und den Gesundheitszentren für das Alter, der Wettbewerb gestartet. Aus den eingereichten Vorschlägen wurde kurz nach dem Jahreswechsel das Siegerprojekt gekürt. Bereits Anfang 2023 konnte der offene Projektwettbewerb für die neue Siedlung Heidi Abel mit voraussichtlich 115 Alterswohnungen auf städtischem Baurechtsland im Zentrum von Leutschenbach entschieden werden.

«LE PETIT PRINCE» von Liechti Graf Zumsteg Architekten ging als Siegerprojekt aus dem Wettbewerb für den Neubau der SAW Siedlung Heidi Abel hervor.
Rückblick Infrastruktur & Unterhalt

Kurs auf netto null

Die Stadtzürcher Verwaltung will bis 2035 klimaneutral werden. Als städtische Wohnbaustiftung hat sich auch die SAW dazu verpflichtet, dieses wichtige Klimaziel mitzutragen. 2023 legte sie deshalb einen Fokus auf die Reduktion ihres CO2-Ausstosses. In der Siedlung Dufourstrasse wurden 2023 die Heizzentrale und Warmwasserproduktion erneuert und die Gasheizungen für die 56 Wohnungen ersetzt. Neu wird die Siedlung mit Wasser aus dem Zürichsee umweltfreundlich mit Wärme versorgt. Dazu transportiert das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) das Seewasser in ihre Seewasserzentrale, entzieht ihm über einen Wärmetauscher Wärme und verteilt es anschliessend in die angeschlossenen Gebäude. In der Siedlung Letten führte der Wechsel von Leuchtstofflampen auf LED-Leuchtmittel in den Treppenhäusern und Laubengängen zu besserem Licht, mehr Sicherheit beim Treppensteigen und tieferem Stromverbrauch.

Wasser aus dem Zürichsee versorgt die SAW Siedlung Dufourstrasse seit 2023 mit Wärme.

Grosse Überraschung in Unteraffoltern

Daneben bot das Jahr 2023 Raum für eine grosse Überraschung. Diese hielt die Baustelle für das Sekundarschulhaus Isengrind in unmittelbarerer Nachbarschaft der Siedlung Unteraffoltern bereit: Beim Aushub der Baugrube wurde ein rund 66 Tonnen schwerer und rund 26 m3 grosser eiszeitlicher Findling freigelegt. Bis zur Fertigstellung des Schulhauses geniesst dieser nun Asyl auf dem Grundstück der SAW Siedlung.

 

Beim Findling handelt es sich um ein Sedimentgestein, das sich vor 165–175 Millionen Jahren aus Ablagerungen auf dem Grund des «Helvetischen Meeres» gebildet hatte. Aus diesen wurde festes Gestein, das mit der Bildung der Alpen in die Berge gelangte. Der Findling stammt aus der Region des Glärnisch im Kanton Glarus, von wo er mit dem Eis des Linthgletschers bis nach Zürich Affoltern gelangte (Informationen: Peter Kindle, Geologe, Sieber Cassina + Partner AG).

Der Glarner Findling hatte bereits einen weiten Weg hinter sich, bevor er auf dem Areal der SAW Siedlung Unteraffoltern einen temporären Standort fand.
Rückblick Finanzen & Vermietung

Neuer Vergabeprozess für SAW Wohnungen

Wie bereits im Vorjahr galt 2023 ein besonderes Augenmerk der Weiterführung des Projekts «Neuer Zugang zu Alterswohnungen». Im dritten und letzten «Echoraum» diskutierte die SAW mit Fachpersonen, verschiedenen Organisationen für das Alter sowie Betroffenen Lösungsansätze für die künftige Vergabe ihrer Wohnungen. Ziel des Anlasses war, die Ansätze gemeinsam sorgfältig durchzudenken und gegebenenfalls zu ergänzen. Im Oktober 2023 stellte die SAW den neuen Vergabeprozess anlässlich einer Medienkonferenz der Öffentlichkeit vor. Die Berichterstattung war durchgehend unterstützend, die direkten Rückmeldungen von Betroffenen zum grössten Teil positiv. Die Arbeiten an der Umsetzung des neuen Prozesses laufen auf Hochtouren, die Inbetriebnahme ist für Herbst 2024 geplant.

Die Berichterstattung zum neuen Vergabeprozess für SAW Wohnungen, hier als Beispiel die Headline der NZZ, fiel durchwegs positiv aus. 

Neue Leiterin Finanzen & Vermietung

Neben vielfältigen operativen Herausforderungen schreitet die Digitalisierung der SAW voran. Sie ist eine von vielen Aufgaben, der sich die neue Leiterin Finanzen & Vermietung der SAW, Prisca Löbb, stellt. Sie übernahm per 1. September 2023 die Leitung der Abteilung Finanzen & Vermietung als Nachfolgerin von Colette Hämmerle, die die SAW per September 2023 verliess, um sich einer neuen Herausforderung zu widmen.

Prisca Löbb
Bereichsleiterin Finanzen & Vermietung und Stv. Direktorin SAW
Rückblick Spitex & Sozialdienst

Stärkung der interdisziplinären Betreuung

2023 hat die SAW ihre Mieterkoordinationssitzungen dezentralisiert und in die drei Gebiete Nord, Süd und West verlegt. Die Sitzungen, die der Lösungsfindung für Anliegen, Wünsche und Probleme der Mietenden dienen, finden seither in allen drei Gebieten regelmässig unter Beteiligung verschiedener Berufsgruppen (Sozialdienst, Hauswartung, Pflege, Hauswirtschaft und Betreuung sowie Vermietung) statt. Zudem ist es gelungen, den Sozialdienst erfolgreich in den (neuen) Bereich Spitex & Sozialdienst zu integrieren. Beide Entwicklungen tragen zur Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit, des dezentralen Betreuungsnetzes und damit zur Sicherheit und zum Wohlbefinden der Mieter*innen bei. Ferner hat die Spitex Zürich SAW die Siedlungspräsenz weiter ausgebaut: In mehreren SAW Siedlungen ist einmal pro Woche während ein bis zwei Stunden eine fest zugewiesene Ansprechperson vor Ort, die über zahlreiche Belange der SAW Auskunft gibt und niederschwellig Unterstützung bietet.

Die Siedlungspräsenz ist eine wichtige Ansprechperson für die Mieter*innen vor Ort.

Fachjahresthema Gewalt

Im vergangenen Jahr haben sich die Mitarbeitenden der SAW im Rahmen betriebsinterner Schulungen intensiv mit dem Zweijahresthema «Gewalt» auseinandergesetzt. Die Evaluation zeigte differenzierte Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen mit Kundenkontakt und jenen ohne. Die Aufbauschulung zum Thema, die für 2024 geplant ist, wird um die Themen Rassismus und Diversity erweitert und klarer auf die die Bereiche Infrastruktur & Unterhalt sowie Spitex & Sozialdienst ausgerichtet. Die Mitarbeitenden der anderen Bereiche dürfen, müssen aber nicht an den Schulungen teilnehmen.

2023 haben alle Mitarbeitenden der SAW eine interne Schulung zum Thema «Gewalt» besucht.
Rückblick Soziokultur & Angebotsentwicklung

Investieren in die Nachbarschaft …

Die Altersstrategie 2035 der Stadt Zürich beauftragt die SAW und die Gesundheitszentren für das Alter, ihre Zusammenarbeit zu stärken. Die Umsetzung des Auftrags ist auf gutem Weg, 2023 haben die beiden Organisationen erste gemeinsame soziokulturelle Anlässe umgesetzt. So wurde etwa das Sommerfest des Gesundheitszentrums Wolfswinkel zusammen mit der SAW Siedlung Unteraffoltern durchgeführt. Auf erfreulichen Anklang stiess bei den Mieter*innen der SAW auch das neue monatliche Mittagstisch-Angebot in den Gastrobetrieben der Gesundheitszentren, das unter dem Motto «Alleine hingehen, gemeinsam essen» stattfindet. 2024 wird es deshalb auf alle Betriebe der Gesundheitszentren für das Alter ausgeweitet.

 

Wie wichtig und erwünscht funktionierende Nachbarschaften sind, hat auch das Mitwirkungsverfahren der SAW zu gemeinschaftlichen Wohnformen im Alter in den Jahren 2022/2023 gezeigt: Die Teilnehmenden haben grosses Interesse an generationendurchmischtem Wohnen bekundet. Auch kollektive Wohnformen wie Clusterwohnungen geniessen zunehmend Aufmerksamkeit. Diese und andere Erkenntnisse nimmt die SAW in die Weiterentwicklung ihres Wohnangebots auf. Etwa, dass Wohnungen für Zweipersonenhaushalte zwei abtrennbare (Schlaf-)Zimmer brauchen, um individuelle Bedürfnisse im Alltag besser abzudecken – unabhängig davon, ob die Wohnung von Paaren oder sonst zwei Personen bewohnt werden.

Grundriss einer geclusterten Wohnung aus dem Wettbewerbsprogramm Felsenrain. Er zeigt, dass dieser Wohnungstyp die Möglichkeit bietet, gemeinschaftlich zu wohnen und sich trotzdem in einen individuellen privaten Raum zurückziehen zu können.

… und in die Freiwilligenarbeit

2023 konnte die SAW für ihre Mieter*innen zudem verschiedene Projekte zur digitalen Unterstützung sowie Corporate Volunteering-Angebote organisieren. Da die Freiwilligenarbeit eine wichtige Grundlage des Zusammenlebens ist, hat die SAW 2023 verstärkt die Nachbarschaftshilfe in ihren Siedlungen gefördert und sich an einem Pilotprojekt des Gesundheits- und Umweltdepartements (GUD) für Kurzeinsätze städtischer Freiwilliger beteiligt.

Eine freiwillige Helferin im Rahmen eines Kurzeinsatzes beim Grittibänzen mit Mieterinnen der SAW.
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