Hilfe
2 / 23
Geschichten aus der SAW

Zwei Generationen im gleichen Beruf

In der Spitex Zürich SAW arbeitet ein ungewöhnliches Gespann: Jelena Bojic und Barbara Bojic, Mutter und Tochter. Das Rezept der beiden diplomierten Pflege­fachfrauen für ihre gute Zusammenarbeit? Offenheit und Respekt. «Wir lernen voneinander», sagen beide.

Im Pflegeberuf fühlen sich Jelena und Barbara Bojic wohl. «Es erfüllt mich, wenn ich jemandem helfen kann», sagt Mutter Jelena. Sie absolvierte ihre Ausbildung in den 1980er-Jahren in Jugoslawien. In die Schweiz kam sie bereits, bevor der Krieg in ihrer Heimat ausbrach. «Ich wollte mich weiterentwickeln und im Ausland arbeiten», erzählt sie. In Zürich lernte sie ihren Mann kennen und gründete mit ihm eine Familie.

 

Barbara kam 1999 zur Welt, als jüngeres von zwei Kindern. Schon in der Primarschule interessierte sie sich für den Beruf der Mutter: «Ich bin am Zukunftstag mit meiner Mutter mitgegangen. Da habe ich gesehen, wie spannend die Pflege ist», sagt sie. Nach der Schule lernte Barbara Fachfrau Gesundheit in einem Pflegezentrum. Ihre Diplomausbildung absolvierte sie an einem Spital: «Ich konnte Erfahrungen mit verschiedenen Patient*innen sammeln und habe gemerkt, dass ich auch mit Notfällen und hektischen Situationen gut umgehen kann.»

 

Spitex statt Spital
Mutter Jelena arbeitet seit 2011 bei der SAW. Der Spitex-Alltag sei ideal für sie, erklärt sie: «Wir treffen die Kund*innen bei ihnen zu Hause. Das gibt einen ganz anderen Kontakt als im Spital». Dazu kommen ein kurzer Arbeitsweg und ein gutes Team. Ein Team, zu dem seit 2024 auch Tochter Barbara gehört. Ihr gefallen an der SAW unter anderem die geregelten Arbeitszeiten: «Hier habe ich nur Tagdienste und kann mein 80-Prozent-Pensum auf fünf Tage verteilen.» So passt auch ihr grosses Hobby, das Training von Hunden, in ihren Alltag. Zurzeit hat sie zwei Vierbeiner. «Den jün­geren bilde ich aus, um mit ihm an Prüfungen und Wettkämpfen teilzunehmen.», erklärt die 26-Jährige.

 

Barbara wohnt noch bei ihren Eltern. «Zu Hause sprechen wir aber nicht über die Arbeit», sagt Jelena. Barbara lacht: «Ausser wenn wir Papa mit unseren Geschichten nerven wollen – Pflegefachleute können bekanntlich ja auch beim Essen über alles reden, was sie bei der Arbeit so antreffen.» Die Frage, ob es ein Problem sein könnte, am gleichen Ort zu arbeiten, hat sich den beiden nie gestellt – im Gegenteil: «Meine Mutter hat viel mehr Erfahrung als ich. Nicht nur Berufserfahrung, sondern auch Lebenserfahrung. Sie kann mir manchmal eine andere Sichtweise auf­zeigen, sodass ich zwischenmenschliche Situa­tionen besser verstehe», sagt Barbara. Ihre Mutter entgegnet: «Dafür ist dein Wissen aus der Aus­bildung neuer.»

 

«Mit ihrer Erfahrung hilft mir meine Mutter, manche Situationen besser zu verstehen.»

Barbara Bojic

 

Pausen und Prioritäten
Im Alltag merken die beiden, dass sie unterschied­lich an Aufgaben herangehen. «Meine Generation hat gelernt, eins nach dem anderen zu machen. Punkt für Punkt auf einer Liste abhaken und am Feierabend möglichst alles erledigt haben», erklärt Jelena. Barbara lacht: «Das sieht man auch deinem Schreibtisch an. Da ist auch während der Arbeit immer alles aufgeräumt. Ich bin eher gleichzeitig an mehreren Dingen dran. Ich ar­beite nach Prioritäten. Was ist wirklich wichtig? Was kann warten?»

 

Beides hat seine Vorteile, sind sich Jelena und Barbara Bojic einig. «Ich glaube, wir Jüngeren können besser eine Pause machen und zwi­schendurch auch mal abschalten. Bei den älteren Teammitgliedern fällt mir manchmal auf, dass sie auch in den Pausen noch sehr mit der Arbeit beschäftigt sind», sagt Barbara. Jelena pflichtet ihr bei: «Manchmal sagst du zu mir ‹chill mal›. Und du hast ja eigentlich recht.»