Von der Wohnfürsorge für Betagte zur Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich
Wohnungsnot in der Stadt Zürich
Die Gründung der Stiftung Alterwohnungen der Stadt Zürich war eine Folge der sozialen und politischen Entwicklungen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Die Städte wuchsen und waren gezwungen, mit neuen Konzepten der grossen Wohnungsnot zu begegnen und die sozialen Unterschichten in die städtische, bürgerliche Lebenswelt zu integrieren. Neben der Arbeiterschaft gehörte die betagte Bevölkerung zu den Verliererinnen. Zwar wurde als grosses Sozialwerk in den 40er-Jahren die AHV eingeführt, doch reichte diese nicht aus, die Notsituation zu verbessern. Der Notstand an Wohnungen für Betagte nahm weiter zu.
Die Gründung
1950 beschloss der Gemeinderat – nach dem Beispiel der Wohnungsfürsorge für kinderreiche Familien, die bereits 1924 ins Leben gerufen wurde - die Gründung der Stiftung Wohnungsfürsorge für betagte Einwohner der Stadt Zürich, der heutigen Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich SAW. Im gleichen Jahr bewilligten die Stimmbürger einen namhaften Beitrag an den Bau der ersten Alterssiedlung Espenhof. Von Anfang an gehörten eine Siedlungspflegerin, ein Heizer und eine Wäscherei mit zum Konzept der SAW. Dass das Stimmvolk von Zürich bereits 1950 selbständiges Wohnen mit pflegerischen und sozialen Dienstleistungen zu gemeinnützigen Konditionen befürwortete, kann in der sozialpolitischen Entwicklung der Stadt als wahre Pioniertat bezeichnet werden.
Das Wachstum
Das SAW Modell war von Anfang an ein grosser Erfolg und in jeder neuen Siedlung hätten die Wohnungen gleich mehrfach vermietet werden können. In den ersten 30 Jahren baute die SAW über die Stadt verteilt weitere 16 Siedlungen. Sie arbeitete mit der Stadt nach dem gleichen Finanzierungsprinzip zusammen wie bei der ersten Siedlung: Der für Seniorinnen und Senioren bezahlbare Mietzins wurde errechnet und kapitalisiert. Für den Rest der Kosten bezahlte die Stadt Beiträge à fonds perdu, die jeweils mehr als die Hälfte der Investitionskosten ausmachten.
Die Selbständigkeit
Ab 1974 nahmen die Beiträge der Stadt an die Investitionskosten kontinuierlich ab. Dank Verbilligungsbeiträgen von Bund und Kanton konnten die Mietzinse trotzdem tief gehalten werden. Mit dieser Entwicklung wurde die bisherige Politik der Stadt, für Neubauten der SAW finanziell verantwortlich zu sein, beendet. Ab 1979 galten die Vorgaben der staatlichen Wohnbauförderung auch für die SAW. Sie wurde gleich behandelt wie die Wohnbaugenossenschaften.
Die Stiftung schreibt rote Zahlen
Organisatorisch blieb die SAW dem Sozialdepartement angegliedert. Mit der langjährigen Stadträtin Emilie Lieberherr setzte sich ein neuer Trend durch: Die Alterssiedlungen wurden häufig neben städtische Altersheime gebaut. Diese Nähe ermöglichte zwar gewisse Einsparungen bei der Planung und beim Bau, erzeugte aber vor allem eine Vermischung von Aufgaben. Denn der Leiter der SAW war gleichzeitig der Bauverantwortliche des baufreudigen Sozialdepartements. Schliesslich schrieb die SAW tiefrote Zahlen. 1993 wurde der gesamte Stiftungsrat abgesetzt und 1995 die Stiftung dem Gesundheits- und Umweltdepartement zugeordnet.
Erhöhung des Stiftungskapitals
Dank einer Sanierungsphase, die bis ins Jahr 2000 dauerte, konnte sich die SAW erholen und langsam wieder wachsen. Während bei den mittlerweile älteren Siedlungen Sanierungen notwendig wurden, blieb die Nachfrage nach bezahlbaren Alterswohnungen unverändert hoch. Diese Situation verlangte nach hohen Investitionen und zeigte neuen Handlungsbedarf auf: Das Eigenkapital der SAW wurde gegenüber dem Anlagekapital zu klein. Deshalb gelangte die SAW im Jahr 2006 nochmals vors Zürcher Stimmvolk mit dem Antrag auf Erhöhung des Stiftungskapitals um 60 Millionen Franken. Der Antrag wurde mit grosser Mehrheit angenommen.
Die SAW heute und morgen
Heute präsentiert sich die SAW als modernes Non-Profit-Unternehmen mit 130 Mitarbeitenden, die sich 82 Vollzeitstellen teilen. Die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich bietet an bald 35 Standorten rund 2000 Wohnungen an. Dem Wandel der Bedürfnisse älterer Menschen trägt sie Rechnung, indem sie ihre Baustrategie 2006 - 2019 entwickelt hat. Mit dieser Strategie verfolgt die SAW eine Erweiterung und Anpassung des Angebotes. Durch Sanierungen und Neubauten wird sich das Wohnungsangebot verändern und sich den neuen Bedürfnissen anpassen. Gleich bleiben wird jedoch das einmalige Angebot der SAW: Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Zürich ab 60 Jahren können sich für eine bezahlbare Wohnung anmelden, wo sie dank einem altergerechten Dienstleistungspaket aus 24-Stunden-Pikett-Dienst, eigener Spitex, Sozialdienst und Wäscheservice bis zum Schluss wohnen bleiben können.